Histologie der Harnorgane
Kennzeichen
Urothel: Übergangsepithel der ableitenden Harnwege. Ähnlichkeit
mit mehrschichtigem unverhorntem Plattenepithel, aber große Deckzellen:
- sind je nach Dehnungszustand platt bis hochprismatisch (das Gesamtepithel
kann eventuell bei starker Dehnung nicht mehr als 1-3 Schichten aufweisen)
- besitzen eine Crusta = Verdichtung des Cytoplasmas an der freien Oberfläche
- sind oft zwei- oder mehrkernig
- sind durch Schlußleisten verbunden
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Präparat-Nr. 56, El.HvG, Hund
Ureter, Vergrößerung 25x1,25
- Übergangsepithel im Harnleiter
- Lamina propria
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Niere
Aufbau
Kapsel (sichtbar in Präp.-Nr. 54, 54a):
Capsula fibrosa aus dichtem kollagenem BGW (im Präp. mit glatten
Muskelzellen!)
Mark (sichtbar in Präp.-Nr. 54, 54a, 55a, 55b):
- Nierenpyramide, deren Spitze (Papilla renalis) (im Präp.
etwa längs geschnitten) in das Nierenbecken ragt. Enthält die
Ductus papillares (= Vereinigung mehrerer Sammelrohre)
- von der Basis der Pyramide ziehen Markstrahlen (Pars radiata) rindenwärts,
enthalten Sammelrohre und gestreckte Tubulusabschnitte
- Lobus renalis = Einheit aus einer Nierenpyramide plus der dazugehörigen
Rinde (= alle Nephrone, die den Harn über diese Pyramide ableiten)
Rinde (sichtbar in Präp.-Nr. 54, 54a):
- Rindenlabyrinth: liegt zwischen den Markstrahlen, enthält
die Glomeruli und gewundene Teile des Tubulussystems
- Columnae renales: Rindengewebe zwischen zwei Markpyramide
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Präparat-Nr. 54, HE, Rhesusaffe
Niere, Vergrößerung 4x1,25
- Rindenlabyrinth
- Markstrahl
- Glomerulus
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Nephron
Nephron = Glomerulus + Bowmansche Kapsel + Tubulussystem (ohne Sammelrohre!)
Glomerulus (in den Präparaten 54 und 54a lassen sich die verschiedenen
Zelltypen des Glomerulus kaum differenzieren):
Durchmesser: 150-250 µm
- Vas afferens verzweigt sich zu einem Kapillarknäuel aus bis zu
30 Schlingen, die sich dann zum Vas efferens vereinigen (arterielles Wundernetz)
- Autoregulation des Kapillardrucks durch die glatte Muskulatur der Vasa
afferentia /efferentia
- Endothelzellen:
- dünnes, gefenstertes Endothel
- Poren (bis 90 nm) lassen größere Moleküle passieren,
nicht aber zelluläre Bestandteile des Blutes
- Basalmembran:
- unterbindet den Durchtritt von Molekülen mit einem MG > 400.000
- Lamina densa wirkt als mechanischer Filter, Laminae rarae (negativ
geladen) durch elektrostatische Abstoßungskräfte
- Podozyten:
- stark verzweigte, fortsatzreiche Zellen, die die Außenseite der
Glomeruluskapillaren bedecken und die überwiegende Zahl der Kerne
im Glomerulus stellen
- Fortsätze verzahnen sich untereinander und liegen direkt der Basalmembran
auf ("Podozytenfüßchen")
- zwischen den Fortsätzen liegen Filtrationsschlitze mit einem Durchmesser
von 5 nm, die von einer sehr dünnen Schlitzmembran (4 nm) und
einer negativ geladenen Glykokalix überdeckt sind
- lassen nur Moleküle mit einem MG < 70.000 passieren
- Mesangiumzellen:
- sind sternförmig, oft mit eingekerbtem Kern
- liegen zwischen den Kapillaren
- sind phagozytosefähig
Harnfilter
- fenestriertes Endothel (90 nm)
- Basalmembran (MG < 400.000)
- Podozytenschlitzmembran (MG < 70.000)
Bowmansche Kapsel:
- parietales Blatt: niedriges, einschichtiges Plattenepithel
- viszerales Blatt: Podozyten (s.o.) (der Spalt dazwischen ist in Präp.
54/54a artifiziell erweitert)
- wird nach außen begrenzt durch eine Basalmembran und ein retikuläres
Fasergespinst, das auch die Tubuli umwickelt (siehe spezielles Pprojektionspräparat
mit Versilberung)
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Präparat-Nr. 54a, HE, Ratte
Niere, Vergrößerung 25x1,25
- Glomerulus
- Kapsel
- Gefäßpol
- Harnpol
- Tubulus proximalis
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Tubulus proximalis (Hauptstück)
- Pars convoluta
- kubisch bis hochprismatisch, undeutliche Zellgrenzen (in 54 gut erkennbar)
- hoher apikaler Bürstensaum mit PAS-positiver Glykokalix (in speziellem
Projektionspräparat mit PAS-Färbung gut erkennbar) (in den Präparaten
ist die luminale Grenze undeutlich erkennbar)
- PAS-positive Basalmembran (auch beim Tubulus distalis!)
- basale Streifung durch viele Mitochondrien zwischen den basalen Einfaltungen
der Zellmembran (hoher Energiebedarf der Na+K+-ATPase,
vergl. Belegzellen des Magens) => stark eosinophiles Zytoplasma
im Vergleich zu zum Tubulus distalis
- viele basolaterale, verzahnte Fortsätze => basales Labyrinth
- wasser- und ionendurchlässige tight junctions zum Tubuluslumen
- Pars recta
- absteigender Teil der Henle-Schleife
- niedrigere Zellen, weniger basolaterale Fortsätze, andere Organellenzusammensetzung
- ansonsten ähnlich wie Pars convoluta
Tubulus intermedius (Überleitungsstück, dünner Teil
der Henle-Schleife)
- flaches, organellenarmes Epithel ohne Bürstensaum und ohne basale
Streifung
- Kerne wölben sich ins Lumen vor
- DD gegenüber Kapillaren: größeres Lumen, dickeres Zytoplasma,
Fehlen von Blutzellen (im Präparat 55a besser unterscheidbar als in
55b)
Tubulus distalis (Mittelstück) (Unterschied zum Tubulus proximalis
ist in Präp. 54a und 54a deutlich erkennbar)
- Pars recta:
- aufsteigender Teil der Henle-Schleife
- kubisches Epithel ohne Bürstensaum
- deutlichere Zellgrenzen und weiteres Lumen als im proximalen Tubulus,
Gesamtdurchmesser jedoch in der Regel geringer als im proximalen Tubulus
- ein Querschnitt weist in der Regel mehr Zellkerne auf als im proximalen
Tubulus (da die Mittelstückszellen kleiner sind) (im Präp. 54
gut erkennbar)
- ebenfalls basale Streifung durch viele Mitochondrien (hoher Na+/Cl-Auswärtstransport),
aber schwächer eosinophil als proximaler Tubulus
- wasserundurchlässige tight junctions (dadurch muß aufgrund
des aktiven Na+/Cl-Auswärtstransports Wasser aus der Pars recta des
proximalen Tubulus zum osmotischen Ausgleich ins Mark strömen =>
wird von den Vasa recta aufgenommen)
- Pars convoluta:
- etwas höher als die Zellen der Pars recta, sonst aber ähnlich
Sammelrohr (Präp. 55 nach Harnstau mit pathologisch flachem Epithel;
in Präp. 54 mit typischem hochprismatischem Epithel: DD andere Tubulustypen)
- gehören entwicklungsgeschichtlich nicht zum Nephron
- einschichtiges, hochprismatisches Epithel (in Präp. 55 allerdings
kubisch)
- dunkle Zellkerne und helles Zytoplasma ohne basale Streifung
- Durchmesser 40 um (kleine Sammelrohre) bis 200 um (Ductus papillares)
- an den Papillae renales geht das hochprismatische Epithel in das Übergangsepithel
der Nierenpapillen über (im Präp. unterscheidet sich das Epithel
der Papillen durch seinen Dehnungszustand (nur 2 Schichten) deutlich vom
gegenüberliegenden Urothel)
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Präparat-Nr. 54, HE, Rhesusaffe
Niere, Vergrößerung 25x1,25
- Tubulus proximalis
- Tubulus distalis
- Macula densa
- Glomerulus
- Harnraum
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Gefäße
A. renalis
=> Aa. segmenti
=> Aa. interlobares (steigen in den Columnae renales rindenwärts
auf)
=> Aa. arcuatae (verlaufen an der Mark-Rinden-Grenze parallel zur
Nierenoberfläche)
=> Aa. corticales radiatae / Aa. interlobulares (gehen rechtwinklig
aus den Aa. arcuatae hervor, ziehen in die Rinde)
=> Arteriolae afferentes
=> Rete capillare glomerulae
=> Arteriolae efferentes
=> Vasa recta (ziehen ins Rindenmark, bilden dort Gegenstromsystem
mit der Henle-Schleife, transportieren rückresorbiertes Wasser ab)
=> Kapillaren ins Mark (zur Ernährung der Tubuli, transportieren
ebenfalls rückresorbiertes Wasser ab)
=> Vv. corticales radiatae / Vv. interlobulares => Vv. arcuatae
=> Vv. interlobares => V. renalis
Mark erhält nur ca. 10% des Blutvolumens
Juxtaglomerulärer Apparat
- wird gebildet von Macula densa des Tubulus distalis und Polkissen des
Vas afferens
- wird von sympathischen Nerven innerviert, die offenbar die Renin-Ausschüttung
steigern
- Macula densa:
- schmale Zellplatte in der Wand des Tubulus distalis, berührt den
Gefäßpol des Glomerulus
- Zellen sind meist dunkler als umgebendes Epithel des distalen Tubulus
(in vielen Fällen lassen sich die dem Glomerulus zugewandten Zellen
gut differenzieren)
- berühren - nur durch eine Basalmembran getrennt - extraglomeruläre
Mesangiumzellen (Goormaghtighsche Zellen) und granulierte, epitheloide
Zellen des Polkissens
- kann die epitheloiden granulierten Zellen des Polkissens veranlassen,
Renin auszuschütten
- chemosensitive Zellen: reagieren auf den NaCl-Gehalt des Primärharns:
- erhöhte NaCl-Konzentration im Primärharn => verminderte
Ausschüttung von Renin => verminderte Bildung von Angiotensin II
=> verminderte Vasokonstriktion und damit peripherer Widerstand =>
geringerer RR => Filtrationsrate sinkt => weniger NaCl wird ausgeschieden
- Renin-Ausschüttung wird auch bei Blutdruckabfall und durch Aktivierung
des Sympathicus erhöht
- Polkissen / granulierte, epitheloide Zellen (in speziellem Präparat
mit Elastica-Färbung sind die Vasa afferentia gut zu erkennen)
- modifizierte Myoepithelzellen
- liegen in der Wand des Vas afferens
- enthalten Renin-Sekretgranula (im Kurspräparat nicht sichtbar)
Harnleiter (Ureter) (Präp. 56, Hund, El HvG, enthält außerdem
Ductus deferens; siehe auch Präp. 54, Rhesusaffe, HE)
Tunica mucosa
- besteht aus Übergangsepithel und Lamina propria, eine Lamina muscularis
mucosae fehlt!
- Lamina propria:
- lockeres BGW mit vielen elastischen Fasern
- bildet Längsfalten => sternförmiges Lumen bei Querschnitten
- stark kapillarisiert und innerviert (viele Gefäße, wenige
Nerven im Präparat)
Tunica muscularis
- drei Muskelschichten: Stratum longitudinale internum, Str. circulare,
Str. longitudinale externum (nur kaudal) (in Präp 56 gut unterscheidbar,
schwach in 54, abhängig sowohl von Species also auch prox. bzw. dist.
Abschnitt des Ureters)
- am Übergang in die Harnblase hört die Ringmuskulatur auf,
Längsmuskelschichten setzen sich ins Trigonum vesicae fort, pflanzen
somit den Harnleiter in die Harnblase ein
- innerhalb der Muskulatur finden sich häufig Ganglien (im Präparat
sind dieser in der Tunica adventitia zu finden)
Tunica adventitia
- verbindet den Harnleiter mit der Umgebung (im Präp. 56 reichlich
Fettzellen)
Differentialdiagnose:
- Erkennungsmerkmale: Urothel, dreischichtige Muskularis (keine Lamina
muscularis mucosae), bei Querschnitten sternförmiges Lumen
- DD gegenüber:
- Ductus deferens: viel kräftigere Muskulatur, zweireihiges, teilweise
stereozilienbesetztes Epithel
- Harnblase: kräftigere, geflechtartige Muskulatur
- Urethra: mehrreihiges Zylinderepithel, Gll. urethrales, zweischichtige
dünne Muskulatur
- Vagina: dünne Muskulatur, Plexus venosus vaginalis, mehrschichtiges,
unverhorntes Plattenepithel
- Oesophagus: mehrschichtiges Plattenepithel, Lamina muscularis mucosae,
evtl. quergestreifte Muskulatur)
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Präparat-Nr. 56, El.HvG, Hund
Ureter, Vergrößerung 4x1,25
- Uebergangsepithel
- Lumen
- Lamina propria
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Harnblase (Vesica urinaria) (Präp. 57 El.-Goldner, Rhesusaffe)
- Wandbau entspricht dem des Ureters, folgende Besonderheiten:
- Trigonum vesicae:
- Dreieck zwischen den Uretereintrittsstellen und der Öffnung der
Harnröhre
- in diesem Bereich ist die Lamina propria mit der Tunica muscularis
fest verwachsen, die Schleimhaut damit faltenfrei
- Muscularis stärker ausgeprägt, enthält auch zirkulär
verlaufende Fasern
- Plexus vesicalis in der Adventitia (im Präp. Nerven- und Ganglienanschnitte)
- oberer Teil der Harnblase ist von einer Serosa bedeckt
- DD siehe Harnleiter
Harnröhre (Urethra)
Tunica mucosae
- proximal Übergangsepithel, nach distal mehrreihiges unverhorntes
Platten- oder Zylinderepithel
- tubuläre Schleimdrüsen (Gll. urethrales) und drüsenartige
Lakunen mit hellen Schleimzellen (Lacunae urethrales) => wichtig
für DD !
- Lamina propria enthält viele elastische Fasern und einen venösen
Plexus, bildet Falten
Tunica muscularis
- innere Längs-, äußere Ringmuskulatur (jeweils dünn)
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